2021: Von Zuversicht und Digitalisierung

Veröffentlicht am: 23. Dezember 2021 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Netzpolitik, Trends Keine Kommentare

Der traditionelle Jahresrückblick ist für mich ein Innehalten; führt er doch sehr anschaulich vor Augen, wieviel im vergangenen Jahr passiert ist und welche Meilensteine erreicht wurden. Abseits der Herausforderungen von Pandemie und Komponentenknappheit steht die digitalpolitische Agenda rund um Netzwerksicherheit im Fokus. Auch der DigitalPakt 2.0 wirft seine Schatten voraus.

Hybrides Arbeiten als neuer Alltag

Ohne einen Seitenblick auf das Pandemiegeschehen geht es leider nicht: Erwarteten wir jetzt Anfang des Jahres angesichts der Impfkampagne eine Rückkehr zur gewohnten „Normalität“, wurden wir eines Besseren belehrt. Hybride Arbeit ist auch bei uns mittlerweile Alltag. Wir haben uns daran gewöhnt, ja. Alle Rädchen für einen reibungslosen Betrieb greifen ineinander. Dennoch: Der persönliche Austausch, das Gegenüber an einem Tisch fehlt uns. Umso mehr freute es mich, dass wir zumindest vereinzelt wieder Messeluft (it-sa 2021) schnuppern oder unser bewährtes LANupdate auf Roadshow schicken konnten.

Wie es zukünftig weitergeht, hängt von einigen Unbekannten ab. Wir bei LANCOM mussten in den vergangenen Wochen erleben, dass auch mit Vor- und Umsicht geplante Aktionen und Events kurzfristig wieder abgesagt werden mussten – zum Leidwesen aller. Selbstverständlich geht hier die Sicherheit vor. Und doch sind wir überzeugt, dass sich alles zum Positiven wenden wird und planen bereits die nächsten Veranstaltungen für 2022!

Bundesregierung legt digitale Schwerpunkte

Glücklicherweise hat die Spannung in Hinblick auf die politische Entwicklung ein Ende. Fast so lang wie die Unternehmensgeschichte der LANCOM selbst, lenkte Frau Dr. Merkel die Geschäfte unseres Landes. Unvergessen bleiben mir die zwei Besuche der Kanzlerin an unserem Messestand, damals noch auf der CEBIT. Wer erinnert sich noch? Als deutlich kleinerer IT-Player war es mir eine persönliche Ehre, unser einzigartiges Portfolio „Made in Germany“ vorstellen zu können. Letztlich bleibt auch mir hier nur ein großes Dankeschön auszusprechen.

Zugegeben, die neue Bundesregierung ist noch nicht lang genug im Amt, um Prognosen treffen zu können. Ein Blick in den Koalitionsvertrag lohnt sich jedoch, gibt er doch eine für uns deutliche Marschrichtung vor. Und die hat es in sich! Nie zuvor spielten Digitalisierung, digitale Souveränität und IT-Sicherheit eine so zentrale Rolle, zumindest auf dem Papier. Ein absolutes Novum!

Das Verständnis als Treiber für alle Wirtschaftsbereiche ist ein klares Statement; den Anfang machen dabei die geplante grundlegende Digitalisierung und Modernisierung des massiv hinterherhinkenden Verwaltungsapparats. Eine echte Herkulesaufgabe. Mit dem strukturellen Umbau der IT-Sicherheitsarchitektur soll auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unabhängiger aufgestellt und gestärkt werden. Was das konkret bedeutet, ist noch nicht abzusehen, deckt sich aber mit unserem Verständnis einer Stärkung von IT-Sicherheit durch alle Instanzen hindurch. Passend dazu horche ich auch hier auf, wenn „Nicht-vertrauenswürdige Unternehmen[…] beim Ausbau kritischer Infrastrukturen nicht beteiligt“ werden sollen. Das ist zwar rein sachlich kein neuer Ansatz, kommt aber in dieser Vehemenz auch unserem Ziel, Sicherheit und digitale Souveränität an vorderste Stelle in Wirtschaft und Verwaltung zu rücken, deutlich entgegen.

Die Digitalisierung von Staat und Gesellschaft wird damit (wieder einmal) zur Chefsache, inwiefern hier den Worten Taten folgen, wird sich noch zeigen. Eines ist aber sicher: Wir stehen für jegliche Infrastruktur-Projekte in KRITIS auch beratend zur Seite. Denn wir sind stolz darauf, dass uns als erstes und aktuell einziges Unternehmen in 2021 das Sicherheitszertifikat gemäß BSZ-Prüfverfahren („Beschleunigte Sicherheitszertifizierung“) zugeteilt wurde. Das vielseitige VPN- und SD-WAN-Gateway LANCOM 1900EF hat dazu einen mehrmonatigen Zertifizierungsprozess in enger Abstimmung mit dem BSI durchlaufen, der das hohe Schutzniveau sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe belegt. Einmal mehr die Erkenntnis, dass wir mit unserer konsequenten Anti-Backdoor-Politik im gesamten Produktportfolio einen wichtigen Baustein zu mehr digitaler Souveränität beitragen.

DigitalPakt 2.0.: Nachhaltig gedacht

Beim Thema Schuldigitalisierung hat uns im Sommer die große Ernüchterung erwischt: Zum Stichtag der Veröffentlichung aktueller Zahlen aus dem BMBF wurde nur ein Drittel der nunmehr 6,5 Milliarden Euro aus dem Förderprogramm DigitalPakt Schule, die der Bund zur Verfügung stellt, entweder genutzt oder wenigstens verplant. Hinzu kam die bis dato unbeantwortete Frage nach der Analyse und einer darauf basierenden Strategieentwicklung auf. Bleibt zu hoffen, dass das Versprechen unseres neuen Kabinetts, „den Mittelabruf beim Digitalpakt Schule [zu] beschleunigen und [zu] entbürokratisieren“, nicht nur leere Worte sind. Bereits Anfang diesen Jahres sollen Länder und Kommunen zügig an einen Tisch kommen, um kurzfristig einen verbesserten Mittelabfluss auf den Weg zu bringen. Ob auch hier Experten und Schulträger in die Überlegungen mit einbezogen werden? Best-Practice-Beispiele für eine gelungene Umsetzung flächendeckender und vor allem keiner Insellösungen gibt es bei uns mittlerweile ausreichend, wie zum Beispiel das Erzbistum Paderborn.

Mit Zuversicht nach vorne schauen lautet auch hier die Devise. Denn auch wenn 2024 die Fördermittel ausgeschöpft sind und viele Schulen einen großen Schritt nach vorne in Richtung digitaler Ausstattung gemacht haben, ist die Reise längst nicht zu Ende. Zu gut wissen wir, welche technologischen Fortschritte auch in kürzester Zeit durchlaufen werden und die Hardware von 2019 ist in fünf Jahren auch mit konstanter Update-Politik bisweilen nicht mehr up to date. Mit dem sogenannten Digitalpakt 2.0 und einer großzügigen Laufzeit bis 2030 wurde endlich auch nachhaltig gedacht: Der Modernisierung veralteter Technik, der Neuanschaffung nachhaltiger Hardware, der Gerätewartung und Administration wird dem Fortschritt Rechnung getragen.

Wi-Fi 6E: Chancen im WLAN-Markt

Im Sommer wurde endlich ein bedeutender Meilenstein für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erreicht: Mehr als 15 Jahre nach der letzten WLAN-Spektrumserweiterung hat die EU einen 500 MHz-breiten Frequenzblock im unteren 6 GHz-Band zur lizenzfreien Nutzung durch WLAN freigegeben. In Deutschland hat die Bundesnetzagentur mit dem zusätzlichen Spektrum von 480 MHz das verfügbare Spektrum fast verdoppelt, andere europäische Länder folgten dem Beispiel. Damit nicht genug, erste Bestrebungen, auch die oberen Bereiche des 6 Ghz-Bandes für WLAN zugänglich zu machen, werden seit vergangenem Jahr in Expertengremien untersucht – mit dem Ziel vor Augen, 2024 weitere Frequenzbereiche in Europa zu öffnen. Mit unseren neuen Wi-Fi 6 Access Points haben wir seit diesem Jahr auch die passgenauen WLAN-Lösungen für den zu erwartenden Zuwachs an WLAN-Vernetzungsszenarien in High-Density-Umgebungen im Portfolio. WLAN ist und bleibt ein Dauerbrenner auf globaler Ebene.

Tür und Tor offen für Cyberkriminelle?

Kritisch habe ich den BSI-Bericht zur IT-Sicherheitslage in Deutschland studiert. Unverkennbar nehmen die Angriffe von Cyberkriminellen zu: Cyber-Erpresser, Ransomware und kritische Schwachstellen sind nur einige der Top-Bedrohungen. Durch die massive Verlagerung von Geschäftsprozessen ins Digitale wächst die Gefährdungslage in einem Maße, das auch für mich besorgniserregend ist.

Ein Grundproblem liegt auf der Hand: Schnell umgesetzte Digitalisierungsprojekte vernachlässigen die IT-Sicherheit und gefährden damit ganze Unternehmensnetzwerke. Die gute Nachricht ist: Netzwerksicherheit lässt sich mittlerweile auch verstärkt automatisiert und cloud-basiert umsetzen. Dem Thema wollen wir uns bei LANCOM nun auch zukünftig stärker nähern und nehmen Sie dabei an die Hand. Grundlegende Tipps rund um Maßnahmen zur Verbesserung der Netzwerksicherheit haben wir bereits zusammengestellt.

2022: Ein Ausblick

Nur am Rande: Die andauernde Komponentenknappheit bei Chips und Halbleitern, die die ganze ITK-Branche sowie z.B. auch Automobil- und Elektronikhersteller betrifft – Sie merken es vor allem als Verbraucher an den langen Lieferzeiten – ist auch an uns nicht spurlos vorübergegangen. Wir sind stolz darauf, dass wir in sehr vielen Fällen in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden Lösungen finden konnten, um Projekte doch noch umzusetzen. Auch in diesem Zusammenhang vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

Mit großer Zuversicht blicke ich nun nach vorne: Viele Veränderungen aus dem Jahr 2021 werden uns im neuen Jahr deutlich weiter voran bringen; und wir feiern unser 20-jähriges Bestehen und nehmen den runden Geburtstag zum Anlass, auch in unserer Außendarstellung neue Wege zu beschreiten. Thema Chipkrise: Ich tippe auf eine Verbesserung im 2. Halbjahr 2022. Und Covid? Da bleibe ich mal optimistisch, auch wenn die nächsten Wochen eventuell noch einmal härter werden.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund; und mit den besten Wünschen für ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

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