25 Jahre Telekom-Liberalisierung: Die Geburtsstunde der Endgerätefreiheit

Veröffentlicht am: 24. August 2021 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Netzpolitik, Technologie Keine Kommentare

Sie war ein echter Meilenstein für den freien Wettbewerb auf allen Netzebenen: die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes. Etwa 25 Jahre ist es her, dass das Telekommunikationsgesetz (TKG) beschlossen wurde. Und trotzdem ist das Thema heutzutage aktuell wie nie. Gerade hier in Europa gibt es noch einige Länder, die nicht auf allen Netzebenen so frei sind, wie es wünschenswert wäre. Erst kürzlich haben beispielsweise die Niederländer bei der freien Router-Endgerätewahl nach langen Diskussionen entscheidende Fortschritte gemacht.

1996: Grundstein für Liberalisierung wird gelegt

Angefangen hat alles 1996: der liberalisierte Telekommunikationsmarkt wurde gesetzlich verankert. Und eröffnete sofort einen riesigen innovativen Markt an Endgeräten, der begeistert von den Kunden aufgenommen wurde – und zum Durchbruch von ISDN in Deutschland führte. Klar definierte Schnittstellen ermöglichten die Entwicklung und Vermarktung einer Vielzahl von Kommunikationsprodukten, die bis dahin in dieser Breite undenkbar waren. Der Telekommunikationsmarkt explodierte regelrecht.

Routerfreiheit bringt mehr Flexibilität

Heutzutage ist es für uns als Verbraucher völlig normal, dass wir aus einer Vielzahl von Produkten frei wählen können. Beim Internet-Router ist das nicht anders. Und das ist gut so, denn diese Entscheidungsfreiheit ist ein wesentlicher Treiber für mehr Sicherheit und Innovationskraft.

Seit August 2016 haben definitiv alle Internet-Kunden – bis hin zu den Nutzern von Kabel-Internet – die freie Router- und Modemwahl. Wir haben damals die Entwicklungen hier in meinem Blog sehr eng begleitet. Im Wesentlichen bedeutet Endgerätefreiheit, dass Nutzer selbst entscheiden können, welchen Router sie an ihrem Breitbandanschluss einsetzen. Und das ist aus unserer Sicht enorm wichtig, auch wenn diese Entwicklung ein Dorn im Auge einiger Netzanbieter war und es bis heute noch Diskussionen über Feinheiten gibt.

Letztendlich bietet der Einsatz eines selbst gewählten Routers auf der Nutzerebene mehr Flexibilität und die Möglichkeit, aus einem großen am Markt befindlichen Portfolio auswählen zu können. Das bedeutet auch, dass problemlos aktuelle Hardware mit der neuesten Firmware des gewählten Herstellers genutzt werden kann. Damit sind auch neueste Features schnell implementiert.

Für den Markt bzw. für jeden einzelnen Hersteller bedeutet das natürlich mehr Druck – der Konkurrenzkampf wird gefördert. Dadurch gibt es einen Technik- und Innovations-Turbo, der im Endeffekt zu mehr Sicherheit und innovativeren Produkten führt. Eine absolute Win-Situation also für den Verbraucher. Denn auch die Preispolitik ist ein wichtiges Thema. Jeder Kunde kann sich individuell ausstatten – genau so, wie er sich wohlfühlt und nicht, wie ihm vorgeschrieben wird.

Die Niederlande ziehen nach

Auch wenn die deutsche Routerfreiheit seit Beginn ein europäischer Exportschlager ist und erste Länder wie etwa Italien schnell mitgezogen haben, herrscht bei anderen EU-Mitgliedern noch Skepsis. Deshalb begrüßen wir auch die jüngste Entwicklung in den Niederlanden. Die dortige Marktaufsichts-Behörde Authority for Consumers and Markets (ACM) hat nach jahrelangem Tauziehen ihre viel diskutierten Routerwahl-Regelungen veröffentlicht. Innerhalb eines halben Jahres müssen alle Internetprovider ihren Kunden die Möglichkeit geben, ihre Router frei zu wählen. Auch in Österreich, traditionell ein Land des Routerzwangs, entfacht die Diskussion um die Endgerätefreiheit. Jüngst hat die SPÖ einen entsprechenden Entschließungsantrag eingereicht.

Es profitieren also immer mehr Menschen auch EU-weit von den Vorteilen der freien Routerwahl. Und wir in Deutschland sehen: Auch 25 Jahre nach der Legung des Grundsteins gibt es noch Verhandlungen, Diskussionen und Gegenwehr. Und das, obwohl die Vorteile eines liberalisierten Marktes nicht von der Hand zu weisen sind.

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