Digitalpakt Schule: Es muss schneller gehen!

Veröffentlicht am: 3. September 2021 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Unternehmen Keine Kommentare

Zweimal im Jahr blickt die Digitialisierungs- und Bildungs-Community mit Spannung nach Berlin. Jeweils zum 15. März und 15. September werden die aktuellen Zahlen zum Digitalpakt Schule veröffentlicht. Wie viele Mittel wurden von den Ländern bereits abgerufen? Wie viel Geld von Schulen fest verplant? Diesmal sickerten die Zahlen rund zwei Wochen vor dem offiziellen Stichtag durch. Und brachten erneut: Ernüchterung.

Bis Ende Juni waren nicht einmal 4% der Mittel aus dem Basis-Digitalpakt mit einem Volumen von 5 Mrd. Euro abgerufen worden. Die Mittelbindung – also die bereits fest für Infrastrukturprojekte eingeplanten und zugesagten Fördermittel – lag bei 28%. Das entspricht zwar in beiden Fällen einer deutlichen Steigerung in den letzten sechs Monaten, ist aber natürlich immer noch viel zu wenig. Und heißt in der Praxis: ein Großteil der Schüler*innen in Deutschland wird auch in das neue Schuljahr ohne WLAN, Whiteboards oder digital gestützten Unterricht starten müssen. Immerhin: die Kreidehersteller wird’s freuen.

Die Zeit drängt

Dabei drängt die Zeit. Und das nicht nur, weil Deutschland bei der Digitalisierung des Bildungswesens laut einer Ende 2020 veröffentlichten Auswertung der OECD international zu den Schlusslichtern zählt.

Das große Förderprogramm Digitalpakt Schule läuft Ende 2024 aus. Konkret heißt das: Schulen, die es bis dahin nicht geschafft haben, ihre digitalen Infrastrukturen aufzubauen, werden nicht auf die staatlichen Fördermilliarden zurückgreifen können. Die Zeit drängt also. Und das massiv.

Was ich angesichts der ernüchternden Zahlen vermisse, ist eine akkurate Analyse und darauf basierende Strategieentwicklung. Warum dauert es so lange? Was kann konkret getan werden? Welche Hebel bringen endlich die gewünschten Effekte? Dass es allein am Antragsverfahren liegt, ist schwer vorstellbar. Auch der Datenschutz ist nicht der Show-Stopper, zu dem bestimmte Gruppen ihn gerne öffentlich machen.

Ein runder Tisch aus Bund, Ländern – und vor allem Schulträgern! – könnte die nötige Erkenntnis bringen und neben Hürden auch Best Practices aufzeigen. Auch wenn der prozentuale Anteil sicher ernüchternd ist: hinter den knapp 4% der abgerufenen Mittel stehen immerhin Tausende von Schulen, die den Weg in die Digitalisierung bereits erfolgreich gemeistert haben. Warum nicht einfach von ihnen lernen? Das sollte am Lernort Schule doch sicher möglich sein.

Leuchttürme weisen den Weg

Best Practices sind auch deshalb so hilfreich, weil es ein „One-fits-all“ bei der Schuldigitalisierung einfach nicht gibt. Das spiegelt sich auch in den ganz unterschiedlichen Ansätzen wieder, die unsere Schulkunden für ihre digitale Infrastruktur wählen.

Ein sehr spannender Ansatz ist der Weg in die Cloud, die dann als eine Art digitaler Hausmeister agiert und die Herausforderung der fehlenden IT-Administratoren an den Schulen auflöst. Die Entscheidung für ein solches Cloud-managed WLAN fallen Schulen aller Größenordnungen, angefangen bei der kleinsten Schule Deutschlands, der James-Krüss-Schule auf Helgoland, bis zu ganzen Gemeinden, die die Netze aller Schulen in ihrer Trägerschaft zentral verwalten. Spannend sind auch die Einblicke in das Schulnetz der Gemeinschaftsschule Probstei, bei dem die Cloud nach einem Brand einen großen Anteil daran hatte, dass das Schul-WLAN in Rekordzeit wieder genutzt werden konnte.

Für andere Träger ist der Weg in die Cloud (noch) keine Option. Sie setzen bewusst auf eine Controller-basierte Lösung für die Netzwerkverwaltung. Zwei gut dokumentierte Beispiele für diesen Ansatz sind die niedersächsische Stadt Helmsted und das Erzbistum Paderborn. Letzteres verwaltet die Netze in 19 Schulen über diesen Ansatz.

Experten bieten Hilfe

Neben zahlreichen Best Practice-Beispielen stehen für Schulen und Träger viele weitere Ressourcen bereit, die bei Planung, Ausschreibung und Umsetzung wichtige Unterstützung leisten können.

Mit dem Leitfaden „Hardware produktneutral ausschreiben für den Schulbereich“ hat eine Expertengruppe unter dem Dach des Bitkom im vergangenen Jahr ein vielbeachtetes Standardwerk für die Hardware-Beschaffung in Schulen veröffentlicht. Es hilft Schulträgern, die wesentlichen Eigenschaften von Schullösungen zu identifizieren und rechtskonform in Ausschreibungen zu verankern.

Auch wir als Hersteller stellen umfangreiche thematische Hilfestellungen bereit. Darunter ein Whitepaper zu „Anforderungen an Schulnetze“ sowie ein „Rechtspaket für Schulen zur Einführung eines pädagogischen Netzes“, das neben Vorlagen für Nutzungsbedingungen auch hilfreiche Informationen zur DSGVO sowie ein Muster für einen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag enthält.

Zudem bieten wird mit dem „Themenforum Digitale Bildung“ eine Dialog-Plattform für den Austausch mit unabhängigen Experten aus Bildung, Medien, Datenschutz und Digitalisierung. Die Aufzeichnung zum dritten vom April 2021 stehen online zur Verfügung. Reinschauen lohnt!

Kurzum: eigentlich ist alles da. Geld, Experten, Rat. Also lassen Sie es uns anpacken und die deutschen Schulen gemeinsam ins digitale Zeitalter begleiten.

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